Vogelfütterung: Besser Wiese statt Futterhaus

Ist es sinnvoll, Wildvögel ganzjährig zu füttern? Hilft das gefährdeten Vogelarten? Was für Folgen hat eine Fütterung z.B. für den Schädlingsbestand am Gebäude? Gibt es eine gute Alternative? Fragen, auf die wir hier einmal eingehen möchten.

Zugegeben: Es ist ein schönes Bild, wenn sich die Spatzen und Meisen im Vogelhäuschen tummeln und zwitschernd um das Futter streiten. Gleicheitig hat man das gute Gefühl etwas für die Natur getan zu haben… und das hat man ja auch – allerdings oft ganz anders als gedacht. Denn das Vogelfutter lockt nicht nur süße Singvögel an, sondern auch ungebetene Gäste. Ratten lieben zum Beispiel so ein kostenlose Körner-Buffet. Deshalb darf das Vogelfutter auf keinen Fall auf den Boden gestreut werden. Selbst ein Vogelhäuschen ist vor den Plagegeistern nicht sicher, denn Ratten sind gute Kletterer.

Vogelfutter steht auf Ihrem Speiseplan ganz oben: Ratten und andere Schädlinge sind ungebetene Gäste und sind ein Risiko für Mensch und Tier. (Foto: Gerhard G / pixabay)

Und sollte es durch die Ratten oder auch durch ebenfalls angelockte Mäuse, Tauben, Elstern und Krähen zu Schäden am Haus oder bei anderen Hausbewohnern kommen, kann das teuer werden. Auch bei der Lagerung des Vogelfutters sollte man darauf achten, dass die Schädlinge keinen Zugang dazu haben. Aber ist eine Fütterung überhaupt notwendig? Im Winter bei Minusgraden oder einer dicken Schnee- und Eisdecke kann man diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten, aber bei der immer populärer werdenden Ganzjahresfütterung scheiden sich die Geister.

Verbreitete Vogelarten profitieren am meisten – gefährdete eher weniger

Ein Argument dafür ist der Erhalt der Artenvielfalt, doch von wenigen Aus-nahmen wie dem Haussperling abgesehen, werden Futterstellen gar nicht von gefährdeten Vogelarten genutzt, sondern hierzulande am meisten von Meisen, Finken, Rotkehlchen oder Amseln, und die weisen eine stabile Population auf. Außerdem beschränkt sich Vogelschutz nicht nur auf die Verfügbarkeit von Nahrung, sondern vor allem auf die Erhaltung von vielfältigen und gesunden Lebensräumen – und diese lassen sich durch Futterspender nicht ersetzen. Dort, wo Nahrung für Vögel knapp wird, sollte die Hilfe deshalb bei den Ursachen ansetzen. Statt eintönigen Thujahecken, Einheitsrasen oder gar Steingärten, kann man schon im eigenen Garten, dem Balkon oder der Terrasse lebendige Vielfalt mit einem reichen natürlichen Nahrungsangebot schaffen. So hat der Bauverein zum Beispiel in der Edzardstraße Flächen in Wildblumenwiesen verwandelt und tut somit aktiv ein kleines bisschen für den Vogelschutz.

Die Gärtner des Bauvereins haben am Verwaltungsgebäude in der Edzardstr. 62 eine prächtige Wildblumenwiese angelegt. Dort herrscht reger Flugbetrieb von Hummeln, Bienen und Co. (Foto. Bauverein Leer eG)

Und ganz in der Nähe – im Rheiderland – haben Landwirte ein einzigartiges Projekt zum Erhalt wirklich seltener Vögel ins Leben gerufen: Blühende Ackerrandstreifen für Wiesenweihen, aber auch für Bienen und Co!

Aktiver Naturschutz: Patenschaft für Blühstreifen

Sie lieben ihr Land und möchten es natürlich auch für spätere Generationen erhalten. Deshalb gründeten Rheiderländer Ackerbauern 2003 den Landwirtschaftlichen Naturverein Rheiderländer Marsch (LNV) und waren damit wahre Pioniere. Denn ein Naturschutzverein aus Bauernhand war damals etwas völlig Neues und sorgte im niedersächsischen Umweltministerium für große Begeisterung. Aber auch in der Bevölkerung findet die Arbeit der Landwirte immer mehr Anerkennung. Denn der LNV kümmert sich in vielfältiger Weise um den Schutz von seltenen Vögeln wie etwa den Wiesenweihen oder Eisvögel. Ein Projekt ist seit 2016 das Anlegen von rund einem Hektar großen Blühstreifen inmitten von Ackerflächen. Die so entstandenen Biotope erweisen sich als wahre Magnete für Rehe, Feldhasen, Fasane, Rebhühner, die Feldlerche und fast alle heimischen Singvögel, Mäuse, Bienen oder Insekten aller Art und natürlich für die Wiesenweihe. Die blühenden Blumen ziehen Insekten an, Insekten dienen wiederum kleineren Vögeln als Nahrung und Wiesenweihen lieben kleinere Vögel oder Mäuse auf ihrem Speiseplan. Letztere fressen herabfallende Samen so wie auch Fasane, Hasen oder Rehe. Und wenn die Wiesenweihe im September gen Süden zieht, finden alle anderen Tiere im Blühstreifen bis in den Winter hinein Schutz. Das geht allerdings nicht ganz ohne Unterstützung, denn die spezielle Saatmischung, das Anlegen und das Pflegen der Artenschutzstreifen kostet Geld. Und so vergeben die Ackerbauern vom LNV Patenschaften für die Blühstreifen. Für eine einmalige Spende von 50 Euro kann jeder so etwas für die Natur machen. Mehr Informationen dazu gibt es im Internet unter www.lnv-ev.de oder direkt beim

LNV Rheiderländer Marsch e.V.
Landschaftspolder 35
26831 Bunde
Tel.: 0 49 59 / 7 03
info@lnv-ev.de

Titelbild: smarko / pixabay

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