Bauverein: Mitglieder­versammlung hat getagt

Zur diesjährigen Mitgliederversammlung lud der Aufsichtsrat am 23. Juni in das Forum der Sparkasse LeerWittmund in der Leeraner Innenstadt ein.

Heinz Feldmann, Vorsitzender des Aufsichtsrates, eröffnete die Versammlung mit einer Gedenkminute für die im vergangengen Jahr verstorbenen Mitglieder. Anschließend sprach Bürgermeister Claus-Peter Horst ein Grußwort.

Bürgermeister freut sich auf die Zusammenarbeit

Ursel Nimmrich (stellv. Vorsitzende des Aufsichtsrates) und Heinz Feldmann (Vorsitzender des Aufsichtsrates) begrüßten erstmals den neuen Leeraner Bürgermeister Claus-Peter Horst auf der Mitgliederversammlung im Sparkassen-Forum in Leer.

Er bedankte sich für die Einladung, der er sehr gerne nachgekommen sei. IN seinem Grußwort berichtete der Bürgermeister über seinen Eindruck von der Genossenschaft. Der Bauverein stehe für bezahlbaren Wohnraum und lege auch Wert darauf, dass sich die Mieterinnen und Mieter in ihren Wohnungen und auch in ihrem Quartier wohl fühlen. Damit leiste der Bauverein einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der Stadt. Für die Herausforderungen der Zukunft sehe er den Bauverein gut gerüstet und wünschte der Genossenschaft weiterhin viel Erfolg. Er freue sich als neuer Bürgermeister auf die weitere Zusammenarbeit.

Im anschließenden Verlauf der Sitzung berichtete der Vorstand über seine Arbeit.

Vorstand stellt Zahlenwerk vor

Den Auftakt machte Thorsten Tooren, kaufmännischer Vorstand, der die Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung und den Jahresabschluss 2021 vorstellte. Der Bauverein kann in seinem Geschäftsbericht, der allen Teilnehmern vorlag, auch für das abgelaufene Geschäftsjahr mit stabilen Zahlen aufwarten. Während die Anzahl der Mitglieder nahezu gleich blieb, ist die Anzahl der Geschäftsanteile um rund 1.900 Anteile gesunken. Das sei die durchaus beabsichtigte Folge des Dividendensplittings, um die großen Geschäftseinlagen einzelner Mitglieder abzuschmelzen. Da diese Einlagen innerhalb von 9 Monaten abgezogen werden können, sei die langfristige Finanzierung über Kredite in der bisherigen Niedrigzinsphase die bessere und sicherere Alternative.

Die Mieteinnahmen, in die erstmals für ein ganzes Jahr die Mieten aus dem Neubau Löwenstraße einflossen, erreichte einen neuen Höchststand. Der Bilanzgewinn liegt etwas unterhalb des Vorjahres. Ein Projekt zur Optimierung des Sicherheitenportfolios schlug zwar bei den Aufwendungen nicht unerehblich zu Buche, wird aber auf Jahre hinaus die Aufnahme von Krediten erleichtern und erlangt angesichts der aktuell steigenden Zinsen im Nachhinein zusätzlich an Bedeutung.

In seinen anschließenden Ausführungen betonte Tooren die klare Ausrichtung des Bauvereins auf den Erhalt einer guten Bausubstanz und der Sicherung von Wohnraum zu bezahlbaren Preisen. Noch nicht mit allen wirtschaftlichen Folgen absehbar ist das Thema der CO2-Vermeidung. Es sei damit zu rechnen, dass ein Großteil der finanziellen Mittel der Genossenschaft zukünftig in die Umstellung der Wärmeversorgung auf nicht-fossile Energieträger fließen wird. Darüber bereits frühzeitig die Mitglieder zu informieren, sei dem Vorstand sehr wichtig. Vor dem Hintergrund steigender Zinsen, gestörter Lieferketten, dem Fachkräftemangel im Handwerk, Preissteigerungen und einer bislang nicht ausreichend angepassten Förderkulisse und den noch nicht bekannten gesetzlichen Vorgaben zur CO2-Vermeidung sei eine verlässliche Zukunftsprognose schwierig. Der Bauverein sei aber stabil aufgestellt und werde nach Auffassung des Vorstandes auch die anstehenden Herausforderungen meistern, so Tooren.

Moderate Mietanpassungen bleiben unverzichtbar

Moderate Anpassungen der Mieten seien auch in Zukunft nicht zu vermeiden. Mit einer Durchschnittsmiete von 4,98 EUR pro qm sei der Bauverein nach wie vor einer der günstigsten Anbieter von Wohnraum in Leer. Nach der letzten Anpassung um ca. 2,5 Prozent im Jahre 2021 sei nun für Frühjahr 2023 die nächste Anpassung geplant – immer mit der Maßgabe, Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung im Gleichgewicht zu halten. Über die Maßnahme werde man die Mieter im Vorfeld rechtzeitig informieren.

Öffentlichkeitsarbeit schafft online und offline Information und Transparenz

Zentrales Werkzeug der Öffentlichkeitsarbeit des Bauverein sei mittlerweile die Website, die 2020 neu aufgesetzt wurde und von einem monatlichen Newsletter sowie der beliebten MIeterzeitschrift „Treffpunkt“ flankiert wird. Ziel der Öffentlichkeitsarbeit ist es, über Themen wie z.B. Betriebskosten, Energieeinsparung und über aktuelle Vorgänge beim Bauverein transparent und zeitnah zu informieren. Die Zugriffszahlen bewegten sich auf einem guten Niveau, allein mehr als 600 Kunden haben den Newsletter mittlerweile abonniert, so Tooren.

Ausgaben für Modernisierung und Instandhaltung gestiegen

Anschließend übernahm Thomas Exner, technischer Vorstand, den Bericht über die baulichen Maßnahmen im vergangenen Geschäftsjahr. Der Vorstand kalkuliere jedes Jahr mit 3 Mio. EUR, die in die Instandhaltung und Modernisierung des Wohnungsbestandes investiert werden. Dieser Wert wurde in 2021 mit einer Gesamtsumme von 3,868 Mio EUR noch überschritten. Umgerechnet wurden in 2021 damit knapp 36,- EUR in jeden Quadratmeter Wohnraum des Bauverein investiert, das ist nochmals eine Steigerung von 5,- EUR gegenüber dem Vorjahr. 13 Bäder und 31 Wohnungen wurden saniert. Die Sanierung der Dächer erfolge planmäßig und werde auch in den nächsten Jahren fortgesetzt. Ebenso gelte das für die energetische Sanierung, die angesichts der Energiepreise und der Umweltfolgen immer größere Bedeutung erlangt. Die Erneuerung der Heizzentralen sowie die Umstellung auf zentrale Anlagen biete den Mietern große Vorteile. So können laut Exner die Mieter, die an eine zentrale Versorgung angeschlossen sind, derzeit noch von günstigen Gaspreisen aus einem Rahmenvertrag des Bauverein profitieren.

Schnelles Internet via Glasfaser in der Weststadt

Großes Thema ist der Ausbau der Netze für schnelles Internet via Glasfaser. Dazu konnte der Bauverein einen Rahmenvertrag mit Glasfaser Nordwest zu den Ausbaugebieten in der Leeraner Weststadt schließen. In den nächsten Monaten werden die Netze in den Häuser ertüchtigt. Damit erhalten die Mieter in den nächsten Monaten die Möglichkeit, Internet via Glasfaser zu buchen.

Als Folge einer Gesetzesnovelle werde man für das Jahr 2024 eine Lösung für den Bezug von Kabel-TV anbieten, die den Mietern die vom Gesetzgeber verlangte Wahlfreiheit bietet. Ziel ist es, auch hier eine möglichst preisgünstige Lösung für die Mieter zu erreichen. Gespräche dazu führe man bereits, so Exner.

Trotz Umsetzung der neuen Heizkostenverordnung weniger Belastung für die Mieter

Ebenfalls eine für die Mieter kostengünstigere Lösung habe man auch bei der Umsetzung der neuen Heizkostenverordnung gefunden. Durch den Wechsel des Messdienstleisters hin zur Firma Techem konnten auch die Kosten für den Betrieb der neu vorgeschriebenen funkfernauslesbaren Zähler gesenkt werden. Seit Mai laufen die Umbauarbeiten, die voraussichtlich im Herbt abgeschlossen sein werden. Ein weiterer wichtiger Beitrag, um die Betriebskosten für die Mieter möglichst niedrig zu halten.

Neubauten bleiben weiterhin in der Planung

Neben zahlreichen Baumaßnahmen am Bestand stehe die Schaffung neuen Wohnraums ebenfalls auf der Agenda. So seien Maßnahmen in den Straßen Am Pulverturm (4 Wohneinheiten), Okko-ten-Broek-Straße (4 Wohneinheiten) sowie von 10 Wohnungen – davon 4 barrierefreie – am Scheltenweg in Planung. Die Planungen für den Scheltenweg mussten komplett neu aufgesetzt werden, da es Einwände des Bauordnungsamtes der Stadt betreffend der Einfügbarkeit in die umliegende Bebauung gab. Das habe auch den Beginn der Arbeiten verzögert und Mehrkosten verursacht.

Aufsichtsrat berichtet über seine Arbeit

Im Anschluss berichtete Heinz Feldmann über die Arbeit des Aufsichtsrates. In vier Sitzungen, die gemeinsam mit dem Vorstand stattfanden, wurden schwerpunktmäßig die Themen Instandhaltung, Modernisierung sowie die Neubauplanung behandelt. Ebenso wurde der Wirtschafts- und Finanzplan sowie die Notwendigkeit zur Anpassung der Nutzungsgebühren beraten. Die Unterstützung des Vereins Nachbarschaftshilfe sowie das Projekt zur Optimierung der Beleihungskapazitäten war ebenfalls Gegenstand der Sitzungen.

Über das Ergebnis der alljährlich vom Aufsichtsrat beauftragten Prüfung informierte Ursel Nimmrich, stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, die Mitgliederversammlung. Der zuständige Prüfungsverband bestätigte die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung, der Prüfungsbericht lag im Original zur Einsichtnahme vor.

Anschließend erfolgt die Aussprache über die Berichte des Vorstandes und des Aufsichtsrates.

Mieter nutzen Aussprache für Anfragen an den Vorstand

Herr Erwin Karl Jatzek bat um Klärung, ob die Kosten der Dachrinnenreinigung seiner Wohnung korrekt abgerechnet seien. Seiner Auffassung nach würde diese nicht korrekt erfolgen. Herr Feldmann nahm die Anfrage entgegen und leitete diese weiter an den Vorstand, der eine Klärung und schriftliche Antwort in den kommenden Tagen zusicherte.

Frau Gisela Boekhoff stellt die Frage, warum die Einladung zur Mitgliederversammlung nur in der Tageszeitung veröffentlicht wird. Sie habe nur durch Zufall davon erfahren. Viele Mieter hätten aus Kostengründen keine Zeitung. Der Vorstand erläuterte, die Art und Weise der Einladung mittels Inserat in der Zeitung sei in der Satzung ausdrücklich so geregelt. Zusätzlich würde man aber über Aushänge in den Schaukästen sowie auf der Website und im Newsletter bzw. in der Mieterzeitschrift darauf aufmerksam machen. Ein Versand einzelner Einladungsschreiben ist nach Auffassung des Vorstandes nicht wirtschaftlich und nicht ressourcenschonend.

Frau Jatzek stellte die Frage, ob aufgrund der niedrigen Beteiligung die Beschlussfähigkeit der Versammlung gegeben sei und wie das in der Satzung geregelt ist. Der Vorstand erläutert, dass es in §36 der Satzung für einzelne Themen Mehrheitserfordernisse gebe (z.B. zur Auflösung des Vereines) aber über alle anderen Themen durch die Mehrheit der abgegebenen Stimmen Beschlüsse gefasst werden können. Die hier anstehenden Beschlüsse seien den Mehrheitserfordernissen des §36 nicht unterworfen.

Zahlreiche Beschlüsse gefasst

Folgende Beschlüsse wurden im Anschluss gefasst

  • Beschluss über die Information über und die Zustimmung zum Prüfungsbericht des Geschäftsjahres 2020
    Beschluss über die Festetellung des Jahresabschlusses 2021
  • Beschluss über das Dividendensplitting
  • Beschluss zur Ergebnisverwendung und Auszahlung der Dividende zum 07. Juli 2022

Der Antrag zur Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates stammt von Frau Vera Byl und liegt dem Versammlungsleiter schriftlich vor. In der anschließenden Beschlussfassung erfolgt die Entlastung beider Gremien mehrheitlich.

Neuwahlen zum Aufsichtsrat

Aus dem Aufsichtsrat scheiden turnusmäßig Frau Annika Behrends und Herr Hinrich Lünemann aus. Herr Feldmann dankte den ausscheidenden Aufsichtsratsmitgliedern für ihr Engagement und ihren Einsatz für den Bauverein.

Herr Lünemann stellte sich zur Wiederwahl. Ebenfalls zur Wahl in den Aufsichtsrat gestellt hatten sich Frau Vera Byl und Herrn Ulf-Fabian Heinrichsdorff. Die Kandidaten wurden in getrennten Wahlgängen gewählt und nahmen die Wahl an.

Im letzten Tagesordnungspunkt stimmte die Mitgliederversammlung einem gemeinsamen Beschlussvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat zu Beschränkungen für die Kreditvergabe nach §49 GenG zu. Damit werden dem Vorstand die Grenzen für die Vergabe von Krediten (z.B. auch Stundungen) an den selben Schuldner (z.B. einen Mieter oder Mitarbeiter) festgelegt. Eine Regelung, die regelmäßig erneuert und angepasst werden sollte. Der letzte Beschluss dazu stammte aus dem Jahr 2013.

Damit endete der offizielle Teil der Versammlung und Herr Feldmann lud die Teilnehmer im Anschluss zu einem kleinen Imbiss ein.

Den gesamten Geschäftsbericht können Sie hier online einsehen. Gedruckte Exemplare erhalten Sie in der Geschäsftstelle des Bauverein Leer eG in der Edzardstr. 62 in Leer.

Titelbild: Im Sparkassen-Forum in Leer tagte die diesjährige Mitgliederversammlung des Bauverein Leer am 23. Juni unter Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Herrn Heinz Feldmann.

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